ExxonMobil beantragt Erhöhung der Lagerstättenwasserversenkung in Walsrode – Bürgerinitiative fordert das Landesbergamt (LBEG) auf keine Genehmigung zu erteilen

Seit 1997 wird auf dem ExxonMobil-Clusterplatz mit fünf aktiven Erdgasfördersonden über die Versenkbohrung Walsrode H 1 giftiges Lagerstättenwasser in nur 750 m Tiefe entsorgt. Der Verpresshorizont ist ein Kalkarenit. Unzulässige Druckerhöhungen gab es bereits bei der Versenkbohrung Soltau Z 6 nordwestlich von Soltau bei Reimerdingen, wo ebenfalls bis 2010 Lagerstättenwasser in Kalkarenite verpresst wurde. Damals war auf Weisung des Landesbergamtes (LBEG) die weitere Versenkung beendet worden.

Mit Erstaunen musste die BI Uelzen feststellen, dass kürzlich von ExxonMobil die Erhöhung der Lagerstättenwasserversenkung über die Versenkbohrung Walsrode H 1 beantragt wurde, obwohl ExxonMobil im Jahr 2013 verkündet hatte, aus der Versenkung in die flachen Kalkarenite aussteigen zu wollen. Die BürgerInneninitiative Umweltschutz Uelzen (BI Uelzen) fordert das LBEG auf den Antrag nicht zu genehmigen. Bereits in Oktober und November 2014 hatte es sieben kleinere Erdbeben mit einer Magnitude bis zu ML 1,8 nahe der Versenkbohrung und den umliegenden Erdgasfördersonden gegeben. Ob diese Ereignisse durch die Erdgasförderung oder die Versenkbohrung verursacht wurden ist unseren Wissens ungeklärt. Daher muss das Vorhaben zur Erhöhung der Lagerstättenwasserversenkung von 24.000 auf ca. 60.000 m3 jährlich gestoppt werden

Die o. g. Beben hatten bisher zwar nur geringe Magnituden, allerdings könnten stärkere Beben wie beispielsweise in den Landkreisen Rotenburg, Verden und Cloppenburg mit Gebäudeschäden folgen. Es gibt einige Berichte aus den USA, dass durch die Verpressung von Lagerstättenwasser Erdbeben ausgelöst wurden. Im letzten Jahr wurde bekannt das ExxonMobil beabsichtigt, in der ausgeförderten Erdgasförderung Soltau Z2 Lagerstättenwasser zu verpressen. Darauf folgte große Empörung und fachliche Kritik im Raum Soltau. Weiterhin wurde durch das LBEG mitgeteilt, dass die von ExxonMobil eingereichten Unterlagen hinsichtlich der Erdbebensicherheit unvollständig seien, berichtete die Böhme-Zeitung. Vor diesem Hintergrund, dass es bereits seismische Aktivitäten im Walsroder Untergrund gibt, sollten von der Stadt Walsrode und des Heidekreises die Forderung der Nichtgenehmigung gestützt werden.
Weitere Kritikpunkte:
Durch die Lagerstättenwasserversenkung könnten Grundwasservorkommen gefährdet werden. Weiterhin führt eine intensive Erdgasförderung zu Oberflächenabsenkungen, welche ebenfalls Schäden verursachen, so z. B. stark ausgeprägt im Raum Groningen/Niederlande. Im Altmarkkreis Salzwedel/Sachsen-Anhalt betragen die prognostierten Absenkungen durch die Erdgasförderung bis zu 25 cm. Entsprechend sind Höhenmessungen durch ExxonMobil für die Förderstandorte im Stadtgebiet Walsrode zu veranlassen und diese öffentlich für alle zugänglich zu machen.

Auf obige Grafik ist die Lage der Erdgasfördersonden und der Versenkbohrung Walsrode H 1 sowie des Epizentrums des Erdbebens vom 20.10. 2014 mit der Magnitude 1,8 dargestellt. Dieses Beben wurde ca. 500 m nördlich des Erdgasförderstandortes mit zentraler Aufbereitung der ExxonMobil Walsrode mit fünf aktiven Erdgasfördersonden Walsrode Z 4 bis Z 8 und der Lagerstättenwasserverpressung in der Versenkbohrung H 1 registriert. Quelle der Kartengrundlage https://weg.dmt.de Blauer Stern ist das Epizentrum, Eintragungen in Rot von mir, ebenso die schwarzen Kreise, welche die genaue Lage der Anlagen angibt, auch den Erdgasfördersonden Walsrode Z2a und Walsrode West Z1a/Z4a.

Verantwortlich für diese Pressemitteilung:

Bernd Ebeling, Sprecher der BürgerInneninitiative Umweltschutz Uelzen (Mob. 0162 8265146)

Weitere Infos aus der Rotenburger Kreiszeitung  kursiver Text unten:
http://www.kreiszeitung.de/lokales/rotenburg/rotenburg-ort120515/wohin-lagerstaettenwasser-exxonmobil-ziel-5111766.html  vom 17.06.2015

Wohin mit dem Lagerstättenwasser? „ExxonMobil“ hat ein Ziel: Alles nach Walsrode

Rotenburg – Von Michael Krüger. Dauer-Zankapfel Lagerstättenwasser: Anfang Juli berät der Bundestag in zweiter und dritter Lesung über das Fracking-Gesetzespaket, dann soll auch über den künftigen Umgang mit dem vielfach belasteten Grundwasser aus den Erdgas führenden Schichten entschieden werden. Im Landkreis Rotenburg melden die Förderunternehmen Dea und „ExxonMobil“, dass sie hier aus der oberflächennahen Verpressung aussteigen wollen. Dass dies nur wenige Kilometer jenseits der Kreisgrenze umso stärker geschehen soll, fällt in der Diskussion oft unter den Tisch.

Die Formulierung ist noch schwammig und sorgt derzeit hinter den Kulissen in den Reihen der großen Koalition, die das Gesetzespaket beschließen will, für heftige Debatten. Was bedeutet es, dass Lagerstättenwasser nur noch „in druckabgesenkte kohlenwasserstoffhaltige Gesteinsformationen eingebracht“ werden darf, die „einen sicheren Einschluss“ gewährleisten? Exxon verspricht, bis 2020 alle acht Bohrungen im Landkreis Rotenburg zu verfüllen, über die derzeit noch das Lagerstättenwasser in den Kalkarenit verpresst wird – ein Vorgriff auf die neuen Gesetze, basierend auf dem heftigen Gegenwind von den zahlreichen Bürgerinitiativen und sich anschließenden Politikern. Zu groß die Angst, das Lagerstättenwasser im Gestein aus der Kreidezeit in Tiefen von bis zu 1000 Metern könne das Grundwasser und insbesondere die Rotenburger Rinne verseuchen – selbst wenn die Gefahr auch nach über 40 Jahren Gasförderung im Landkreis noch nicht wissenschaftlich nachgewiesen ist.

Und stattdessen? Zunächst verspricht Exxon eine bessere Überwachung der noch bestehenden Verpressstellen. In Sottrum beispielsweise soll eine permanente Untertage-Drucküberwachung und ein Grundwassermonitoring installiert werden. „Parallel prüft und erschließt ‚ExxonMobil‘ zusätzliche Kapazitäten außerhalb des Kalkarenits in tieferliegenden Horizonten sowie weitergehende Möglichkeiten einer Aufbereitung von Lagerstättenwasser“, heißt es vom maßgeblichen Förderunternehmen im „Erdgas-Landkreis“ Rotenburg. Doch die Ziele helfen nicht, die Frage zu beantworten, wo das Lagerstättenwasser jetzt hin soll.

Klarheit und viel Kritik brachten die vergangenen Wochen in Walsrode. Der dortige Clusterplatz in der Gemarkung Fulde ist als Übergangslösung ausgemacht. „‚ExxonMobil‘ hat am 2. Juni bei der zuständigen Bergbehörde einen Nachtragsantrag bezüglich des Einbringens anderer als aus dem Bereich Söhlingen/Walsrode kommenden Lagerstättenwässer zum bestehenden Sonderbetriebsplan gestellt“, lässt Exxon-Pressesprecher Klaus Torp wissen.

Auch in einer Umweltausschuss-Sitzung der Stadt Walsrode wurde im Mai darüber gesprochen. Dort hieß es, Exxon habe einen Bauantrag beim Landkreis für die Errichtung einer überdachten Tankkraftwagen-Verladung sowie eines weiteren Tanks in Hinblick auf eine spätere zentrale Lagerstättenwasseraufbereitung gestellt. Der Einzugsbereich erweitere sich „um das Wasseraufkommen aus dem Produktionsbereich Elbe Weser“. Pressesprecher Torp bestätigt, es sei „geplant, Lagerstättenwasser auch aus anderen Produktionssonden des Förderbereichs per Tankkraftwagen zum Clusterplatz Walsrode zu bringen und in der Bohrung Walsrode H1 zu versenken.“

Dass diese erhöhte Verpressung von Lagerstättenwasser nahe Walsrode in einem Horizont von rund 750 Metern dort auf wenig Begeisterung stößt, ist wenig überraschend: „Wir begleiten das sehr kritisch“, sagt Bürgermeisterin Helma Spöring (parteilos). Leider hätten aber weder die Stadt noch der Heidekreis Möglichkeiten, Genehmigungen zu verweigern. Dafür sei allein das Landesbergamt zuständig. Dass deren Vertreter noch in der jüngsten Sitzung der Arbeitsgruppe Erdgas- und Erdölförderung im Landkreis Rotenburg mitteilten, es lägen keine Anträge vor, überrascht wenig: Es war der 1. Juni – der Tag, bevor Exxon nach eigenen Angaben die Unterlagen eingereicht hat. Auch wenn bislang noch ungewiss ist, wo das Lagerstättenwasser nach den neuen Gesetzen bleibt, die Frage für die Übergangszeit ist damit wohl beantwortet.

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