Strahlenwerte in Gorleben seit 2003 zu hoch – Messungen sind gefälscht!

Nach Berechnungen von Atomkraftgegnern sind die Strahlengrenzwerte am Atommüllzwischenlager in Gorleben bereits seit 2003 überschritten. Demnach rechne der Betreiber, die Gesellschaft für Nuklearservice (GNS), seit Jahren mit einem falschen Wert für die natürliche Strahlung. Der Nullpunkt sei berechnet worden, als bereits Castoren eingelagert wurden, kritisiert die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI).

Ein seit 2004 genutzter sogenannter Nullpunkt zur natürlichen Gammastrahlung ist nicht nur in direkter Nähe des Zwischenlagers ermittelt worden. Zusätzlich seien auch Werte gemessen worden, während dort die ersten Castoren eingelagert gewesen seien. “Wissenschaftlich ist das dilettantisch”, sagte Wolfgang Kallen vom Fachbereich Radioaktivität der BI am Mittwoch in Hannover. Es ist nicht zulässig, da sich die Jahresdosis durch die Einlagerung der Castoren seit 1997 stetig erhöht habe. Die BI beruft sich auf veröffentlichte GNS-Betriebsberichte. Auch die kürzlich von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) vorgenommenen Messungen kritisiert Kallen. Dabei seien für die Gammastrahlung Bezugspunkte gewählt worden, die sich ebenso am Zaun des Zwischenlagers befinden.

  • Seit Beginn der Einlagerung von Atommüll im Zwischenlager die Neutronenstrahlung im rund 1,9 Kilometer vom Zwischenlager entfernten Ort Gorleben verdoppelt. “Diese Werte wurden von der GNS selbst ermittelt”, sagte Kallen.
  • Dem Betreiber GNS muss die Betriebserlaubnis entzogen werden, da sie seit Jahren in einer “selbst geschaffenen gesetzlichen Grauzone” agiert!

Wegen der erhöhten Strahlenwerte forderte die BI eine Absage des nächsten Castor-Transports. Das Zwischenlager sei erst zu einem Viertel gefüllt und bereits jetzt würden die Grenzwerte überschritten, sagte Kerstin Rudek von der BI. “Wir sind keine Zahlen auf Papier, sondern Menschen mit Sorgen, mit Sorgen vor erhöhter Strahlung.”

Eine Klage gegen den Betreiber soll nun für die Absage des Transports sorgen: Der GNS wird darin vorgeworfen, dass sie radioaktive Strahlung oberhalb genehmigter Grenzwerte freisetzt. Laut Strafgesetzbuch (Paragraf 311, Absatz eins und zwei) ist dabei bereits der Versuch strafbar. Von der Staatsanwaltschaft Lüneburg sei nun das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) als Genehmigungsbehörde sowie die GNS zu einer Stellungnahme aufgerufen worden. Sollte das BfS mitteilen, dass durch die geplante Einlagerung von weiteren Castoren im November der Grenzwert überschritten werde, könne die Staatsanwaltschaft handeln, sagte der Rechtsanwalt der BI, Martin Lemke.

Auf ein weiteres Problem machte eine Regionalpolitikerin aus dem Wendland aufmerksam: Erschreckend seien die Entwicklungen bezüglich des geänderten Geschlechterverhältnisses zwischen Jungen und Mädchen im Großraum Gorleben seit 1995. Auch sei in diesem Zeitraum in der Region die Zahl der Fehl- und Totgeburten drastisch angestiegen. Eine Ursachenklärung gibt es bislang nicht. Das Niedersächsische Landesgesundheitsamtes (NLGA) bestätigt in einer Studie die Veränderungen des Geschlechterverhältnisses in und um Gorleben: im 35-Kilometer-Umkreis um Gorleben sind nach 1996 bei 19.760 Lebendgeborenen 1.415 Kinder (327 Jungen und 1.088 Mädchen) nicht zur Welt gekommen. Das heißt, dass jede 15. Schwangerschaft aufgrund der Situation in der Umgebung von Gorleben nicht zu einer Geburt führte.

Hintergrundinformationen der Fachgruppe Radioaktivität (pdf, 500kb)

Quellen des Artikel (Auszug): bi-luechow-dannenberg.de, dpa; 29.09.2011
Artikel übernommen von: http://www.contratom.de/2011/09/29/strahlenwerte-in-gorleben-seit-2003-zu-hoch-messungen-sind-gefalscht/

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