Castoren strahlen bis ins Dorf Gorleben

“Da die Behälter die radioaktiven Stoffe nachweislich hermetisch einschließen, ist eine Verbreitung radioaktiver Stoffe (...) sicher ausgeschlossen”, schreibt die GNS, Betreiber des Gorlebener Zwischenlagers. Doch bis in das Dorf Gorleben, in dem über 600 Menschen leben, ist die Strahlung nachweisbar.

An dem im Dorf gelegenen Messhaus, das sich zwei Kilometer vom Zwischenlager entfernt befindet, hat sich die Neutronen-Ortsdosis in den Jahren 1997 bis 2002 von ursprünglich 0,05 Millisievert auf 0,16 Millisievert mehr als verdreifacht, erklärte Volker Schürg von der Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Lüchow-Dannenberg. Im Jahr 1997 erfolgte der erste größere, heiße Castortransport „Sixpack“ mit der der Einlagerung von vier Castoren mit abgebrannten Brennstäben und zwei Castoren aus La Hague.

Grundsätzlich kann radioaktive Strahlung nicht vollständig abgeschirmt werden, wie die GNS behauptet. Zwar kommen keine Partikel aus dem Inneren des Castors bei einem völlig intakten Behälter in die Biosphäre, Neutronen durchdringen aber die Behälterwand und können nur sehr schwer abgeschirmt werden.

Schon nach der Einlagerung der ersten Castor-Behälter 1995 hat sich in der Region das Geschlechterverhältnis bei Geburten verändert. Seitdem werden weniger Mädchen als im Durchschnitt erwartet geboren. Auch sind in diesem Zeitraum in der Region die Zahl der Fehl- und Totgeburten drastisch angestiegen. Eine Ursachenklärung gibt es bislang nicht. Das Niedersächsische Landesgesundheitsamtes (NLGA) bestätigt in einer Studie die Veränderungen des Geschlechterverhältnisses in und um Gorleben: im 35-Kilometer-Umkreis sind nach 1996 bei 19.760 Lebendgeborenen 1.415 Kinder (327 Jungen und 1.088 Mädchen) nicht zur Welt gekommen. Das heißt, dass jede 15. Schwangerschaft aufgrund der Situation in der Umgebung von Gorleben nicht zu einer Geburt führte. Das Amt analysierte Geburten im 35-Kilometer-Radius um Gorleben in vier Bundesländern. Dort wurden vor der ersten Castor-Einlagerung auf 100 Mädchen 101 Jungen geboren, danach jedoch auf 100 Mädchen 109 Jungen. Statistisch kommen bundesweit 105 Jungen auf 100 Mädchen zur Welt.

„Im Ergebnis kann man als gesichert betrachten, dass seit Inbetriebnahme des Transportbehälterlagers in Gorleben in der Region signifikant weniger Mädchen geboren werden als zuvor,und zwar umso mehr, je näher sich die Wohnung der Mütter am Lagerbehälterhaus befindet“, so Wissenschaftler Kusmierz vom Helmholtz-Zentrum München im Februar 2011. “Die Betreiber der Atomanlage betreiben Irreführung, wenn sie behaupten dass keine Strahlung nach Außen dringt”, so Jan Becker von contrAtom. “Atomkraft macht krank! Wir fordern den sofortigen Einlagerungsstopp in Gorleben und die Stilllegung aller Atomanlagen!”

Hintergrundinformationen der Fachgruppe Radioaktivität (pdf, 500kb)

Quellen des Artikel (Auszug): bi-luechow-dannenberg.de, Gorleben Rundschau Ausgabe Oktober 2011; 05.10.2011
Artikel übernommen von: http://www.contratom.de/2011/10/06/castoren-strahlen-bis-ins-dorf-gorleben/

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