Gorleben: Es gab nie eine Standortuntersuchung

Die Ergebnisse der Befragungen im Untersuchungsausschuss des Bundestags sind einmal mehr vernichtend für schwarz/gelbe Endlagerpläne: Es hat nie eine Standortuntersuchung gegeben, in der Gorleben vorgeschlagen wurde.

Adalbert Schlitt war im Jahr 1976, als die Entscheidung für Gorleben fiel, Geschäftsführer der Kernbrennstoff-Wiederaufbereitungs-Gesellschaft (Kewa), die im Auftrag des Bundes potenzielle Endlagerstandorte analysieren sollte. Bei diesen Untersuchungen kamen drei Ergebnisse heraus: Salzstock Lutterloh/Faßberg, Salzstock Lichtenhorst/Ahlden und Salzstock Waten/Börger. Gorleben gehörte nicht dazu.

Dieses Faktum bestreitet schwarz/gelb nicht. Laut schwarz/gelb habe es später eine Nachbewertung durch die Kewa gegeben, in der Gorleben dann am besten abgeschnitten habe. Das bestritt der Zeitzeuge Schlitt explizit: Es habe nie eine Standortuntersuchung gegeben, in der Gorleben vorgeschlagen worden sei. Auch der zweite Zeuge, Jürgen Schubert, der 1976 das Oberbergamt in dem Arbeitskreis des Landes Niedersachsen vertrat und die Standortsuche fachlich begleitete, konnte sich an keine Nachuntersuchung erinnern. Schubert habe von Gorleben erstmals im Herbst 1976 erfahren, wenige Wochen bevor der Standort benannt wurde. Auch dass die ursprünglich ausgewählten Standorte wegen fachlicher Bedenken aufgegeben wurden, bestritt er. Seiner Erinnerung nach waren dafür politische Schwierigkeiten verantwortlich.

Nachdem der Bund 1975 drei Salzstöcke für ein “Nukleares Entsorgungszentrum” vorgeschlagen hatte, kochte vor Ort der Protest. Alle drei lagen in Niedersachsen: im Emsland, bei Celle und bei Nienburg. Niedersachsen signalisierte damals als einziges Land die Bereitsschaft, eine derartige Anlage zu bauen. Albrecht klagte über “bürgerkriegsähnliche Zustände” – wollte die versprochenen 12 Milliarden DM aber im eigenen Land. Um das damals größte Industrieprojekt der Bundesrepublik, geplant war auch eine Wiederaufarbeitungsanlage, doch noch an Land zu ziehen, wurde plötzlich in einer von ihm eingesetzten Kommission ein vierter Salzstock ins Spiel gebracht. “Das ist jetzt nicht eine geologische Frage, das ist eine politische Frage. Ich möchte einen Salzstock, der möglichst dicht an der Zonengrenze liegt”, sagte Albrecht laut dem damaligen Kommissionsmitglied Gerd Lüttig. Es habe keine geologische Expertise gegeben, sondern ein politisches Anliegen, nach dem kurzfristig entschieden wurde – und dies wird bis heute immer wieder mit allen Tricks verteidigt.

Einmal mehr sehen sich Atomkraftgegner und Opposition in der Annahme bestätigt, dass in Gorleben gemauschelt wurde. Vertrauliche Dokumente der damaligen Landesregierung stützen die Vorwürfe, dass nicht nach fachlichen sondern nach wirtschaftlichen Kriterien eine Standortauswahl stattfand. Gorleben war kurzfristig durchgedrückt worden, weil dort mit wenig Widerstand gerechnet wurde. Die Akten aus dem Jahr 1976 belegen nicht nur, in welch kurzer Zeit Gorleben durchgedrückt wurde; sie zeigen auch, dass das Land die Öffentlichkeit offenbar bewusst getäuscht hat. Am 8. November 1976 tauchten in einer vertraulichen Kabinettsvorlage des Wirtschaftsministeriums lediglich die drei ursprünglich ausgewählten niedersächsischen Salzstöcke (Wahn, Lichtenmoor und Lutterloh) auf. Bei einem Ministergespräch am 11. November wurde Gorleben dann erstmals von Wirtschaftsminister Walter Leisler Kiep ins Gespräch gebracht – nach einem Treffen mit Vertretern der Atomindustrie.


“Die historische Wahrheit kommt ans Licht, es ist auch allerhöchste Zeit, denn die Bundesregierung schickt sich an, ein Endlagersuchgesetz auf den Weg zu bringen, das den historischen Irrtum weiter mit sich fortschleppt und dieser heißt Gorleben”, warnt Wolfgang Ehmke, Sprecher der BI Lüchow-Dannenberg. Heute stünde aber die gesamte Überlegung, Salzstöcke als Endlager zu nutzen, in Frage. Deshalb müssen die untertägigen Arbeiten in Gorleben eingestellt werden.


In einem Schreiben an das Oberbergamt hatte die niedersächsische Landesregierung zudem im Oktober 1979 erläutert, wie die Wahl auf Gorleben fiel. “Diese Entscheidung muss als politische Entscheidung angesehen werden”, hieß es darin explizit.

Die CDU sieht im Gegensatz zur Opposition kaum neue Erkenntnisse durch den seit April 2010 tagenden Gorleben-Untersuchungsausschuss des Bundestags und dringt auf ein Ende in den nächsten Monaten.

Schwarz/gelb sollte endlich zur Besinnung kommen und sich von Gorleben verabschieden! Mit einem Aufgabe des Endlagerprojektes müssen auch die Castortransporte beendet werden!

Quellen des Artikels (Auszüge): taz.de, bi-luechow-dannenberg.de; 27.10.2011
Artikel übernommen von:
http://www.contratom.de/2011/10/27/gorleben-es-gab-nie-eine-standortuntersuchung/

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