Wendländische Atomkraftgegner besuchten Fukushima – Veranstaltung in Uelzen [PM 08/2012-1]

Angst und Schrecken in Japan:
Wendländische Atomkraftgegner besuchten Fukushima und sind erschüttert über die dortigen Zustände

- Veranstaltung zum Fukushima-GAU und den Folgen am
19. September 2012 in Uelzen -


Demo TokioVor einem Jahr brach in der Gorleben-Debatte ein verwirrender Streit aus. Es ging um den bizarren Zwist darüber, ob der Grenzwert von 0,3 Millisievert zusätzlicher radio-aktiver Strahlung pro Jahr um das atomare Zwischenlager eingehalten wird oder nicht. Er ist bis heute nicht geklärt. Die Ärzteschaft in Japan dagegen habe nach dem GAU in Fukushima empfohlen, den dortigen Grenzwert auf 100 Millisievert pro Jahr hochzu-schrauben - das über 300-fache von dem, was in Gorleben als Grenzwert gilt. Entsetzt berichten Kerstin Rudek und Lennart Müller nach ihrem Japan-Besuch von diesen Plänen. »Es ist absurd, was da abläuft und zeige die Hilflosigkeit, wie mit den verstrahlten Gebieten umgegangen werden solle», sagt Lennart Müller, Pressesprecher der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg ( BI Umweltschutz). Beide wollen in den nächsten Wochen auf Informationsveranstaltungen über die Situation in Japan berichten; Start ist am 19. September in Uelzen, wozu Lennart Müller von der BürgerInneninitiative gegen Atomanlagen Uelzen eingeladen wurde.

Auf Einladung der japanischen Eisenbahnergewerkschaft und der größten dortigen Anti-Atom-Initiative NAZEN besuchten kürzlich gleich drei Gorleben-Gegner Japan: der Vorsitzende der Bürgerinitiative Umweltschutz (BI), Martin Donat, seine Vorgängerin Kerstin Rudek und Pressesprecher Lennart Müller. Donat hielt unter anderem eine Rede auf dem 67. Jahresgedenktag zum Atombombenabwurf auf Hiroshima. Dabei hatte er deutlich gemacht, dass sich militärische und zivile Nutzung von Atomenergie nicht voneinander trennen ließen. Zudem habe er die Japaner darauf hingewiesen, dass sie eine Lösung für die Endlagerung des Atommülls finden müssten - ganz schwierig auf Vulkan-Inseln mit Erdbebengefahr. Lennart Müller sagt: Eine Endlager-Suche sei in Japan gar kein Thema. Es sei ganz schwer, für dieses Problem Gehör zu finden. Und das bei 54 Atomkraftwerken, von denen derzeit allerdings erst eines wieder angefahren sei. Dagegen bringen Rudek und Müller beängstigende Eindrücke aus Japan mit, wie dort mit Radioaktivität umgegangen wird. Hochgradig verstrahlte Erde stehe da einfach in der Gegend herum, abgedeckt lediglich mit einer Plastikplane. Als das Gorleben-Trio einen Geigerzähler an ein Beet gehalten hat, sei der Zeiger auf einen Wert geknattert, der das 35-fache der Normalstrahlung angezeigt habe. Zwar seien viele Frauen mit ihren Kindern nach der Katastrophe umgesiedelt worden. Doch man habe gerade die Gebiete nicht evakuiert, die hätten evakuiert werden müssen, schildern Müller und Rudek. Es gebe signifikante Häufungen von Krankheitsbildern, die auch aus Tschernobyl bekannt seien: Nasenbluten, Knochen-schmerzen, Schilddrüsenwucherungen, psychische Probleme, Müdigkeit. Die Selbst- mordrate steige. Dabei werde die Bevölkerung allein gelassen, erzählt Lennart Müller.

»Die Regierung tut nichts. Es gab noch nicht einmal Entschädigungen.» Die Not ist offenbar groß. Doch sie kommt über die Medien genauso wenig rüber wie die Hoffnung, die es aus Sicht der Gorleben-Gegner für ein Ende des Atomzeitalters in Japan gibt. Jeden Freitag gebe es riesige Anti-Atom-Demos in Tokio, berichtet Kerstin Rudek. Dort seien seit vielen Wochen jeweils 90000 Menschen auf der Straße - vor zwei Wochen seien es sogar 200000 gewesen. Für die japanische Gesellschaft sei das »ein deutliches Zeichen» für einen Atomausstieg, hofft Lennart Müller. Überhaupt:

»Die Kraft und der Mut» der betroffenen Menschen in Fukushima sei groß. Die Solidarität aus Deutschland sei den Japanern dabei ganz wichtig, betonen Rudek und Müller. Daher wollen sie jetzt auch eine Spendenaktion in Deutschland anschieben, um den provisorischen Betrieb eines Gesundheitszentrums für Fukushima-Opfer anzuschieben. Und Gorleben? Für die Japaner aus der Anti-Atom-Szene sei das der Leuchtturm in der Anti-Atom-Geschichte, berichten Kerstin Rudek und Lennart Müller. Das sei »schwer beeindruckend für die». Die Bilder vom Gorleben-Widerstand »machen denen Mut». Und das gibt umgekehrt Kerstin Rudek und Lennart Müller Hoffnung auf Erfolge der japanischen Anti-Atom-Bewegung.

Die Veranstaltung findet am 19. September um 19 Uhr im Selbstorganisiertem Zentrum, Ringstr. 27 B in Uelzen statt. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

Weitere Infos zur Reise der Delegation unter
www.bi-luechow-danenberg.de

Zur AZ-Berichterstattung:
http://www.az-online.de/nachrichten/landkreis-uelzen/uelzen/atomkraftgegner-tokio-2489647.html



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