AKW-Mitarbeiter sterben früher

Eine Langzeitstudie mit 300.000 AKW-Mitarbeitern in Frankreich, Großbritannien, Japan und den USA kommt zu dem Schluss: Das Risiko, an Leukämie oder anderen Arten von Krebs zu erkranken, ist für Mitarbeiter von Atomkraftwerken erheblich höher als für die Durchschnittsbevölkerung. Das internationale Forscherteam, darunter Wissenschaftler des französischen Instituts für Strahlenschutz und Reaktorsicherheit IRSN und der Columbia University in den USA, fand heraus, dass auch niedrige Dosen langfristig eine krankmachende Wirkung haben. Demnach ist eine anhaltende Niedrigdosis genauso krebserregend wie eine einmalig höhere Akutbelastung. Die Studie ist im Fachmagazin Lancet Haematology frei zugänglich.

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Das älteste AKW der Welt im russischen Obninsk ist mittlerweile abgeschaltet: Seine Angestellten waren über Jahre hinweg schädlicher Strahlung ausgesetzt. (Foto: 28-300.ru)

Während der Arbeit muss das AKW-Personal in der Regel ein Strahlenmessgerät tragen. Für die Untersuchung wurden die Daten von 300.000 Angestellten, die über Jahrzehnte hinweg gesammelt wurden, ausgewertet. Zudem ermittelten die Forscher, ob die Mitarbeiter an Krebs, besonders an Blutkrebs, erkrankten oder gar daran starben.

Das Ergebnis: Die Leukämierate bei den AKW-Beschäftigten war weitaus höher als die der durchschnittlichen Bevölkerung. Selbst geringe Dosen von nur wenigen Millisievert können demnach über mehrere Jahre hinweg tödliche Krebserkrankungen auslösen. Eine Unbedenklichkeitsschwelle, unterhalb derer eine bestimmte Strahlung tolerierbar ist, gibt es demzufolge nicht. “Wir haben damit einen positiven Zusammenhang zwischen der kumulativen Dosis ionisierender Strahlung bei Erwachsenen und dem Tod durch Leukämie selbst bei niedrigen Dosen nachgewiesen”, schreibt das Team um die Forscherin Klervi Leuraud vom IRSN.

Dass die Grenzwerte zum Schutz der AKW-Mitarbeiter durch die Internationale Strahlenschutzkomission ICRP gesenkt werden, ist allerdings unwahrscheinlich. Auch die Arbeit von medizinischem Personal in der Radiologie muss mit Blick auf die Studienergebnisse neu bewertet werden, da es ebenfalls über Jahre hinweg niedrigen Dosen von Röntgen- oder Gammastrahlen ausgesetzt ist.

Quelle: klimaretter.info/kir/sg

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