Mängel beim Rückbau der Erdgasförderbohrung Dreilingen Z 1 – Fotobericht – Sicherheit und Umweltschutz muss verbessert werden

In den vergangenen Tagen haben Mitglieder der BürgerInneninitiative Umweltschutz Uelzen die Rückbauarbeiten der Erdgasförderbohrung Dreilingen Z 1 im Landkreis Uelzen beobachtet. Dabei haben wir aus unserer Sicht mehrere Mängel festgestellt:

  1. Zu wenig Rettungs- und Fluchtwege
  2. Notfallduschen nicht angeschlossen
  3. Nicht fachgerechte Aufkantung zum Rückhalt von wassergefährdenden Stoffen
  4. Nicht fachgerechter Schutz von Rohren und Sondenkreuz gegen Freisetzung von Schadstoffen, z. B. Quecksilber.
  5. Kein Aktivkohlefilter zum Zurückhalten von Quecksilber und anderen Schwermetallen vor Gasfackel

Vorbemerkung: Vorschriften haben den Zweck, eingehalten zu werden. Sie dienen nicht nur dem Umweltschutz, sondern vor allem dem Arbeits- und Gesundheitsschutz der vor Ort Beschäftigten.  Bei der Gas- und Ölförderung erfolgt die Kontrolle der Vorschriften durch die Bergaufsicht des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG), vor Ort durch eine sogenannte Befahrung der LBEG-Mitarbeiter.

Zu 1.: Zu wenige Rettungs- und Fluchtwege.

Entsprechend Allgemeine Bundesbergverordnung – ABBergV, §§ 2, 11 und Anhang 1, Punkt 7.2.3 hat das Unternehmen, hier Fa. Wintershall, dafür zu sorgen, dass bei Gefahr geeignete Fluchtwege und Notausgänge für ein sicheres und schnelles Verlassen des Bohrplatzes für alle Beschäftigten vorhanden sind. Auf Dreilingen Z 1 ist dieses nicht gegeben, als Flucht- und Rettungsweg ist nur die Zufahrt vorhanden. Gerade im sensiblen Bereich mit eng gestellten Containern, Energieerzeugern, BOP Closing Unit und Anlagen mit Spülungschemikalien ist kein Fluchtweg vorhanden.

2015-07-16 Drei Z 1 Fluchtweg

Zu 2.: Notfallduschen nicht angeschlossen.

Auf dem Bohrplatz wird mit ätzenden und gesundheitsschädlichen Chemikalien gearbeitet. Dazu werden Notfallduschen vorgehalten. Diese sind allerdings nicht an eine Wasserversorgung angeschlossen und damit nicht betriebsbereit.  DSCN9116

Zu 3.: Nicht fachgerechte Aufkantung zum Rückhalt von wassergefährdenden Stoffen

Der innere Bereich des Bohrplatzes, wo mit wassergefährdenden Stoffen gearbeitet wird oder diese gelagert werden, ist mit einer 15 cm hohen Aufkantung aus Bitumen gesichert. Das ist eine Vorsorgemaßnahme, damit wassergefährdende Flüssigkeiten nicht in den Boden  eindringen können. Im hinteren Bereich des Bohrplatzes war zwischen einem Container und Zaun die Aufkantung zu niedrig und damit nicht fachgerecht ausgeführt worden. Bei einem stärkeren Regenereignis lief am Vormittag des 21. Juli 2015  das Wasser genau an dieser Stelle ins Erdreich, siehe Fotos.

2015-07-21 Dreilingen Z 1 Befahrung LBEG Wasser ueber Aufkantung a 2015-07-21 Dreilingen Z 1 Befahrung LBEG Wasser über Aufkantung b

Zu 4.: Nicht fachgerechter Schutz von Rohren und Sondenkreuz gegen Freisetzung von Schadstoffen, z. B. Quecksilber.

Rohre und das Sondenkreuz sind fachgerecht vor Austritt von Schadstoffen wie beispielsweise Quecksilber zu schützen. Fachgerecht sind dabei sicherlich nicht Plastiktüten, siehe Fotos. Beim Sondenkreuz wären Flansche aufzuschrauben, bei den Rohren ebenso oder andere geeignetere Sicherungsmaßnahmen durchzuführen.

2015-07-16 Drei Z 1 Sondenkreuz2015-07-19 Drei Z 1 Rohre

Zu 5.: Kein Aktivkohlefilter zum Zurückhalten von Quecksilber und anderen Schwermetallen vor Gasfackel.

Ein Aktivkohlefilter vor der Gasfackel war im Zeitraum zwischen 16. Juli und 4. August 2015 nicht installiert. Der überwiegende Teil des Quecksilbers und weiterer Schwermetalle werden zwar im Freiwasser-Abscheider (FWKO)2015-07-20 Drei Z 1 FWKO zurückgehalten. Ob dieses allerdings ausreicht, um den Grenzwert von 30 mg/Nm³  bei den zeitweise durchgeführten Abfackelungen einzuhalten, wird bezweifelt. Luftschadstoff-Messungen an der Fackel wurden nicht durchgeführt.

Am 21. Juli 2015 fand vormittags eine bergaufsichtliche Befahrung durch das LBEG statt.  Verschiedene Punkte wurden kontrolliert.

2015-07-21 Drei Z 1 Befahrung LBEG b2015-07-21 Dreilingen Z 1 Befahrung LBEG

Nach der Befahrung wiesen wir die LBEG-Mitarbeiter auf die fehlenden Fluchtwege, die nicht angeschlossenen Notfallduschen, mangelhafte Aufkantung  und nicht fachgerechten Schutz der Rohre sowie des Sondenkreuzes hin. Insgesamt reagierte der ältere der beiden LBEG-Mitarbeiter eher widerwillig auf unsere Hinweise, hinsichtlich der Frage ob Platzentwässerung und Aufkantung in Ordnung wäre, bejahte dieser. Unserem Hinweis folgend, das Wasser überlaufe, inspizierten wir gemeinsam die Aufkantung. Zuerst wollte der LBEG-Mitarbeiter dieses nicht wahrhaben, „die Aufkantung ist doch an den Container abgedichtet“, das Wasser lief allerdings aus dem inneren Bereich des Bohrplatzes unter dem Container über die zu niedrige Aufkantung. Auf weitere Mängel ging der LBEG-Mitarbeiter nicht ein. Er veranlasste allerdings das Abpumpen des Wassers durch den verantwortlichen Bohrmeister von Fa. Wintershall. Die Aufkantung wurde in dem entsprechenden Abschnitt nachgebessert. Die Verpackung mit blauen Tüten wurde bis zum 4. August nicht geändert, ebenso der fehlende Wasser-Anschluss der Notfalldusche nicht hergestellt.

2015-08-04 Dreilingen z 1 Aufkantung nachgebessert

Dass auch Rückbauarbeiten nicht ungefährlich sind, belegt, dass phasenweise mit schwerem Atemschutz gearbeitet werden musste, da vom Zuständigen für Arbeits- und Gesundheitsschutz erhöhte Quecksilberwerte am Bohrloch gemessen wurden. Diese Werte traten auf, als die Rohre (Tubings) des Förderstrangs aus dem Bohrloch gezogen wurden.

2015-07-21 Drei Z 1 Schutzanzug+Maske 2015-07-21 Drei Z 1 Schutzanzug a

Zu einem späteren Zeitpunkt (z. B. 21.07. um 23 Uhr) war die Quecksilber-Konzentration in der Luft geringer, allerdings musste immer noch mit Atemschutz (Gasmaske), Schutzanzügen- und –handschuhen gearbeitet werden, wobei nach dem Einsatz Anzüge und Handschuhe direkt entsorgt wurden. Selbst die Arbeiter, welche die Rohre unterhalb des Bohrturms entgegennahmen, und der Kranfahrer  trugen Schutzanzüge und Handschuhe, welche nach der Tätigkeit entsorgt wurden.

Manchmal wurde unzulässigerweise ohne Schutzbrille gearbeitet. Blaue Tüten kamen an verschiedensten Stellen zum Einsatz.

2015-07-20 Drei Z 1 ohne Schutzbrille2015-07-19 Drei Z 1 blaue Tüten

Für Rückfragen:

Daniel Baum, Pressesprecher  Mob. 0176 83739797    Bernd Ebeling, Sprecher Mob. 0162 8265146

 

 

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