Schlampereien von ExxonMobil – giftiges Benzol: Leukämiefälle in Rodewald

Rodewald (Landkreis Nienburg/Weser) – Weiterer Krebscluster in Niedersachsen:

https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/hannover_weser-leinegebiet/Erdoel-Leukaemie-Niedersachsen-Rodewald,erdoel212.html

Im niedersächsischen Rodewald (Landkreis Nienburg/Weser) sind innerhalb von zehn Jahren mindestens fünf Menschen unter 40 Jahren an Leukämie erkrankt. Statistisch zu erwarten wäre in diesem Zeitraum maximal eine Neuerkrankung. Das bestätigt ein Statistiker des niedersächsischen Landesgesundheitsamtes gegenüber Markt: “Es handelt sich hier um eine auffällige Erhöhung, der man nachgehen müsste.”

Laut TÜV-Bericht hohe Benzolwerte in der Luft

Viele der an Leukämie erkrankten Dorfbewohner leben oder lebten in der Nähe eines ehemaligen Betriebsplatzes der Erdölfirma BEB Erdgas und Erdöl GmbH & Co., deren Nachfolgeunternehmen ExxonMobil ist. Auf dem Platz wurde das gesammelte Öl gereinigt und wieder abtransportiert. Über ein Ausblasrohr ist im Öl enthaltenes Gas in die Umgebung abgeben worden. So gelangte bis 1989 krebserregendes Benzol in die Umwelt. Fünf Milligramm Benzol pro Kubikmeter Luft waren damals erlaubt. Tatsächlich kamen laut eines TÜV-Berichts aus dem Jahr 1988 bis zu 1.890 Milligramm pro Kubikmeter aus dem Rohr.

Teils stark erhöhte Benzolwerte in Boden und Grundwasser

Seit Dezember 2014 wird der stark kontaminierte Betriebsplatz saniert. Ein Gutachten zur Schadstoffbelastung liegt der Redaktion exklusiv vor: Die Benzolwerte im Boden und im Grundwasser sind teilweise stark erhöht. Beispielsweise betrug der Benzolwert des Grundwassers im Jahr 2013 bis zu 1.200 Mikrogramm pro Liter. Zum Vergleich: Schon ab Werten zwischen fünf und zehn Mikrogramm müssen Maßnahmen ergriffen werden.

Auffällige Häufung von Krebsarten des blutbildenden Systems

“Eigentlich müssten jetzt in niedersächsischen Behörden, und zwar auch in mehreren Ministerien, die Alarmglocken schrillen”, warnt Kathrin Otte, zweite Vorsitzende des Gemeinnützigen Netzwerks für Umweltkranke (Genuk). Schließlich handele es sich in Niedersachsen bereits um den zweiten sogenannten Verdachts-Hotspot. Der bestehe darin, dass es eine örtliche Gas-und Ölförderung gegeben habe und gleichzeitig eine auffällige Häufung von Krebsarten des blutbildenden Systems auftrete.

Landkreis will Krebs-Clusteruntersuchung veranlassen

Auf die Anfrage, ob ein Zusammenhang bestehen könne, teilte ExxonMobil mit, es sei zu berücksichtigen, ob auch andere Faktoren, beispielsweise Verkehr, Rauchen, Pestizide, Strahlung oder Alkohol als Auslöser für die Erkrankungen infrage kämen. Der zuständige Landkreis Nienburg nimmt den Hinweis auf die häufigen Leukämieerkrankungen sehr ernst. In Abstimmung mit dem niedersächsischen Landesgesundheitsamt und dem Epidemiologischen Krebsregister Niedersachsen will er jetzt eine sogenannte Krebs-Clusteruntersuchung in Rodewald veranlassen.

Hier eine Übersichtskarte der Altbohrungen und Schadensfälle der Region:https://www.google.com/maps/d/viewer?mid=zsPLPQ-4vJt8.kK8kItlBq9i8

Vor wenigen Tagen hatte die Lokalpresse berichtet, dass sich die Sanierung eines ehemaligen Betriebsplatzes verzögert, bei der 300.000 Kubikmeter Grundwasser gereinigt werden sollen: https://www.dieharke.de/Lokales/Lokales-6/38865/300000_Kubikmeter_Grundwasser_gereinigt.html

Bericht aus August 2014, ebenfalls aus der Lokalzeitung Die Harke: Umfangreiche Bauarbeiten auf dem ehemaligen BEB-Betriebsplatz (ExxonMobil) für Erdölaufbereitung in Rodewald. Ehem. BEB-Platz Suderbruch, die sechs Sanierungsflächen auf dem ehemaligen Bohrplatz UB 5 liegen im Ortsteil „Neudorf“. Ein Teil des ehemaligen Bohrplatzes wird als Pferdeweide genutzt. Die Grundwassermessgeräte auf der Pferdeweide schlagen Alarm: Zu viel umweltschädliche Kohlenwasserstoffe im Boden – das ehemalige 3,5 Hektar große Erdölfeld in Rodewald muss saniert werden. Mitte August beginnt Exxon-Mobil mit den Bauaktivitäten auf dem ehemaligen BEB-Betriebsplatz Suderbruch im Ortsteil Neudorf der Gemeinde Rodewald – 19 Jahre, nachdem das Gelände schon einmal saniert worden ist.
Für die Anlieger bedeutet das: monatelange Verkehrsbelastung wegen Lkw-Lärms. Rund zehn bis 15 Lkw am Tag werden den belasteten Boden abtransportieren. Bis April nächsten Jahres sollen die Arbeiten dauern. „In den letzten Jahren wurden umfangreiche Detailerkundungen der ehemaligen Betriebsplatzflächen durchgeführt”, erklärt Exxon-Mobil-Pressesprecher Klaus Torp. Auf dieser Basis werde nun die vollständige Sanierung des Geländes vorgenommen. „Belastete Bodenbereiche werden ausgekoffert und entsorgt sowie mit unbelasteten Material wieder aufgefüllt. Ein entsprechendes Konzept wurde mit dem Landkreis Nienburg abgestimmt und zugelassen. Grundeigentümer, Anwohner, Bürgermeister und Gemeinderat sind bereits Mitte Juli auf einer Informationsveranstaltung über die Maßnahmen informiert worden.“ Seit Anfang der 50er Jahre bis 1995 wurde auf dem Gelände Erdöl gefördert. Als die Produktion 1995 beendet wurde, war der Bohrplatz bereits großenteils zurückgebaut. „Hier waren zig Tanks auf dem Gelände“, so Unternehmenssprecher Hans-Hermann Nack zur Harke. „Die Sanierung Mitte der 90er Jahre hatte nicht den Erfolg, den wir erhofft haben. Man war nicht sorgfältig genug. Die Auffälligkeiten hätte man erkennen müssen.“ Exxon-Mobil hatte sich verpflichtet, nach dem Produktionsstopp Grundwassermessstellen zu installieren. „Die zeigten ab 2005 Auffälligkeiten an“, erklärt Nack. „Aus Verursacher wurden Kohlenwasserstoffe gefunden.“ Für die Anlieger bestehe keine Gesundheitsgefahr, betont Nack. „Die Böden sind schwach belastet. Die Kohlenwasserstoffe könnten sich aber aufs Grundwasser auswirken.“ Der Platz wurde rasterförmig untersucht. „Darauf hin hat man sechs belastete Bereiche festgestellt, die jetzt saniert werden.“ Womit niemand gerechnet hat: Die Experten stießen sogar auf alte Ölleitungen, die noch im Boden stecken.
Zunächst wird auf 18.800 Quadratmetern 30 Zentimeter tief Mutterboden abgetragen und auf einem Nachbargrundstück zwischengelagert. Dann werden die Baustellen so abgesichert, dass das Grundwasser geschützt wird. Anschließend werden die Sanierungsflächen bis zu fünf Meter tief ausgekoffert und der belastete Boden nach Bremen gefahren, wo er von einer Entsorgungsfirma biologisch gereinigt wird. Dort können pro Tag 300 Tonnen Boden angeliefert werden. „Wir versuchen die Lkw-Fahrten zu minimieren“, so Nack. Die Lkw fahren belasteten Boden nach Bremen und liefern auf der Rückfahrt den unbelasteten Boden, mit dem die Baugrube gefüllt wird. Die Sanierung beginnt im südlichen Teil des Geländes am Ahldener Weg und wird bis zur Straße Neudorf (Kreisstraße 60) fortgesetzt. Dort wird vor dem Gelände der Firma Schierkolk direkt an der Straße der Boden ebenfalls ausgetauscht – allerdings mit einem Bohrverfahren. Während dieser Bauarbeiten, die von Januar bis März nächsten Jahres laufen, muss die Straße halbseitig gesperrt werden. Ampeln werden den Verkehr regeln. Um die Verkehrs- und Lärmbelastung durch Lkw so gering wie möglich zu halten, werden die Lastwagen durch den Wald zum Ahldener Weg geleitet. Nach Auskunft von Nack wird die Sanierung

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